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Peter Dr.Pangert

08.09.2016
12:07
Sehr geehrte Frau Dr. Fritzsche,
Sie haben von Herrn Dr. Hacker ja schon eine umfassende Antwort mit bedenkenswertem Inhalt erhalten. Die Situation stellt sich leider zur Zeit so dar wie beschrieben, da die finanziellen Interessen der meist dann sicher nichtärztlich geführten Zentren im Vordergrund stehen werden.
Man darf die zu erwartenden Strukturen nicht mit den ehemaligen Polikliniken der DDR-Zeit verwechseln. Dort stand sicher immer die bestmögliche Versorgung der Bevölkerung bei äußerst knapper Finanzdecke im Vordergrund. Die jetzt drohende MVZ-Flut wird sicher nicht diese versorgungsorientierte Zeit der Landambulatorien und Polikliniken wiederaufleben lassen. Die dort stattgefundene Versorgung war ja immer auch durch engen Kontakt der Ärzte untereinander und kurze Wege für die Patienten im Haus zwischen den Fachrichtungen gekennzeichnet.
Diese sinnvolle und erstrebenswerte Zusammenarbeit wird in den gewinnoptimierten MVZ wohl leider nicht das Primum der Überlegungen sein.
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und bleiben Sie weiter an der Berufsausübung interessiert!
Dr.Peter Pangert

Thomas Hacker

07.09.2016
23:59
Sehr geehrte Frau Dr. Fritzsche,
herzlichen Dank, das Sie sich mit unseren Unterlagen und unserer Website vertraut gemacht haben und sich die Zeit genommen haben, hier Ihre Meinung zu äußern.
Das ist mehr, als viele andere Kollegen in dem Zusammenhang tun.
Ich muss gestehen, dass mir zwei Gedanken kamen.
Heftig!
Warum denkt Sie so?
Um ziemlich schnell zu begreifen, dass Sie und ich offensichtlich die selben Beobachtungen machen, nämlich dass unser Beruf durch immer neue, zeitraubende Auflagen und Vorschriften aller Art entstellt wird.
Nur denke ich - anders als Sie - dass MVZ, Praxisketten, Polikliniken oder wie auch immer keine gute Lösung dieses Problems darstellen.
Die Unterwerfung unter diese ökonomisch orientierten Strukturen ist eine Unterwerfung, keine Befreiung unseres Berufs.
Warum?
Die Verbreitung der MVZ´s (oder wie auch immer) wird die Versorgung in der Fläche (in kleineren Orten) nicht verbessern, sondern verschlechtern, weil sich die ökonomisch gewollten Effekte nicht in verstreuten Praxen, sondern erst bei gemeinsamer Ansiedlung erzielen lassen. Also entstehen sie in Städten, nehmen aber den Landpraxen Patienten ab und verschlechtern damit die Lage für die Landpraxen.
Natürlich kann man sagen, das könne einem egal sein, solange man im MVZ angestellt ist. Bei der Approbation haben wir allerdings versprochen, für alle Patienten da sein zu wollen, nicht nur für die Städter...

Die MVZ´s (oder wie auch immer) werden ökonomisch orientiert sein. Die Kapitalgeber wollen - wen wundert es - Rendite.
Das läuft dann so: beim Monatsgespräch eröffnet Ihnen die Geschäftsführerin - eine charmant- dynamische Betriebswirtin mit 4 Jahren Erfahrung bei einer grossen Krankenkasse - dass die Zentrale bei der letzten Tagung darauf hingewiesen hat, dass:
man doch bitte sehr überlegen möge, ob diese PA-Behandlungen bei diesem schlechten Stundenhonorar wirklich notwendig wären, oder ob man nicht hier und da mal einen betroffenen Zahn entfernen und durch ein Implantat aus der hauseigenen Oralchirurgie ersetzen könne, die hätten nach Einstellung des neuen Kollegen nämlich auch noch ein wenig Potential...
das leider das deutsche Markenkomposit wegen der Preisentwicklung nicht mehr beschafft werden könne, es gebe ja auch das tolle Produkt von Firma Noname
Die langjährige Zusammenarbeit mit dem Dentallabor Meyer leider nicht fortgesetzt werden kann, weil die Arbeiten aus China eindeutig preiswerter wären; und hier wolle doch keiner unterstellen, dass es da Qualitätsunterschiede gäbe...
Wenn Sie glauben das wäre gesponnen, fragen Sie mal einen Klinikarzt über seine Erfahrungen beim Übergang seines Hauses an einen der großen Konzerne.
Und genau diese Konzerne warten im übrigen darauf, endlich einen großen Fuss in den ambulanten Bereich zu bekommen, den letzten Bereich der medizinischen Versorgung, der von ihnen bis jetzt nur gering abgeschöpft wird.
Natürlich kann man sagen, das könne einem egal sein, solange die Risiken solcher Entscheidungen vom MVZ getragen werden. Bei der Approbation haben wir allerdings versprochen, nach bestem Wissen und Gewissen zu behandeln, nicht nach ökonomischen Gesichtspunkten. Das wird uns doch durch die Versicherungen (GKV und PKV) doch schon schwer genug gemacht.
Könnten Sie das gut mit Ihrem ärztlichen und christlichen Ethos vereinbaren?

Regelmäßig wird in MVZ´s (oder wie auch immer) die Arzt- Patienten -Beziehung schwächer ausgebildet sein als in den herkömmlichen Praxen.
Natürlich kann man sagen, das könne einem egal sein, solange nur genügend Patienten ins MVZ kommen. Möchten Sie in einer Praxis betreut werden, in der Ihnen unerwartet mal immer wieder jemand neues gegenübersitzt, damit beschäftigt, im Computer die Einträge seiner Vorgänger zu deuten?

Es ist zu erwarten, dass die MVZ´s (oder wie auch immer) versuchen werden, ihre Marktanteile durch niedrige Preise bei Zuzahlungen und Selektivverträge mit Kostenerstattern zu vergrößern. Das bringt die verbliebenen Einzelpraxen natürlich in eine noch bescheidenere Situation.
Natürlich kann man sagen, das könne einem egal sein, wenn man nur rechtzeitig ins MVZ gegangen ist.

Wenn dann die Praxenzahl erfolgreich abgenommen hat, entdecken die MVZ´s (oder wie auch immer) dann das Geldverdienen und erhöhen die Preise wieder.
Natürlich kann man sagen, das könne einem egal sein, dann macht es endlich mehr Spass, im MVZ angestellt zu sein.
Die Patienten bezahlen die Zeche, oder verkneifen sich die Behandlung.

Übrigens, die Prognosen 4. und 5. sind nicht meine Erfindung, habe ich aus der Erinnerung abgeschrieben.


Soweit ich es überblicke, treten übrigens die anderen Listen auch nicht für die Ausbreitung der MVZ´s ein. Wundert mich auch nicht, wenn man bereit ist etwas über den Tellerrand zu schauen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Hacker

Regine Fritzsche

07.09.2016
15:19
Sehr geehrte Kollegen, an weiterem Informationsmaterial welches ich heute von Ihnen erhalten habe bin ich nicht interessiert. Sie vertreten nicht meine Interessen, da ich im Gegensatz zu Ihnen nicht für die Erhaltung von Einzelpraxen als flächendeckende Versorgung eintrete. Ich favorisiere in jedem Fall die Gründungen von MVZ bzw. alternativen Strukturen. Ich werde bei der Wahl nur Kollegen und Kolleginnen unterstützen, die ebenfalls an solchen künftigen Strukturen interessiert sind.
Mit kollegialen Grüßen Regina Fritzsche, Sömmerda